Firmengeschichte

"Es war ein Jahrhundert der Widersprüche. Hundert Jahre, in denen fast alle Spielregeln der Menschheit gebrochen und die Meilensteine der bewundernswerten Errungenschaften gleichzeitig zu Steinen des Anstoßes wurden." So die Bilanz des Schriftstellers Ephraim Kishon als Rückblick auf das 20. Jahrhundert.

Rückbesinnung

Ein solcher "Stein des Anstoßes" war auch die Gründung der "Handwerkerbank zu Bonn eGmbH" vor 100 Jahren. Die Stadt am Rhein hatte mit einem Widerspruch zu leben. Sie galt nach Frankfurt, Wiesbaden und Charlottenburg als die viertreichste Stadt Preußens, was auf ihren Ruf als Deutschlands attraktivste Universitäts-, Garten- und Rentnerstadt zurückzuführen war.

Der Bonner Schriftsteller Wilhelm Schmidtbonn - bekannt durch den Roman "Der dreieckige Markplatz" - vermerkte über die wirtschaftliche Situation Bonns zur Jahrhundertwende: "Das Geld quoll in unsichtbaren Strömen in die Stadt, die Löhne stiegen, die Arbeit wuchs...". Mit der fortschreitenden Industrieansiedlung deutete sich ein weiterer Weg zu wirtschaftlichem Wachstum an.
Im Widerspruch dazu stand aber gerade zu Beginn des neuen Jahrhunderts die Situation des Bonner Handwerks. Es mangelte weder an Fleiß noch am Willen, der Selbständigkeit ein solides Fundament zu geben. Vielmehr scheiterten die Handwerksbetriebe an zu engen Finanzierungsgrenzen und der dringend notwendigen Bewilligung von Betriebskrediten. Preisverfall und eine sich abzeichnende Wirtschaftskrise stellten das Handwerk vor weitere drückende Probleme. Hatte man doch auch noch bei den damals bestehenden Banken mit dem Vorurteil geringer Kreditwürdigkeit zu kämpfen.

Als Reaktion und zur Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der kleineren Betriebe und des Handwerks kam es im ausgehenden 19. Jahrhundert zur Gründung von Waren- und Kreditgenossenschaften. Auch die Volksbank Bonn Rhein-Sieg hat ihre Ursprünge in dieser Zeit.

Pfarrer als Pionier
 Pfarrer Peter Herkenrath

Die Vorgeschichte zur Gründung der heutigen Volksbank beginnt mit Pfarrer Peter Herkenrath als Präses des Bonner Gesellenvereins. Das Modell der Gesellen-Sparkasse in Bonn versprach aus seiner Sicht ein Stück Freiheit und wirtschaftliche Unabhängigkeit für das Handwerk. Seine Überzeugung, dass mehr Gesellen-Sparkassen gegründet werden müssten, wurde bald konkret. 

Der Stein kam ins Rollen, als sich Herkenrath in der Fastenzeit des Jahres 1901 mit einigen Bekannten traf, um die dazu notwendigen Schritte zu beraten. Die Beratungen endeten mit der Bildung eines Gremiums zur Vorbereitung der Gründungsversammlung für eine Handwerkerbank.

Vier angesehene Innungs-Obermeister unterstützten die Idee des Pfarrers und sorgten zusammen mit den anderen Standesvertretern für ein positives Echo in der Bürgerschaft. Im Vorbereitungsausschuss wirkten Vertreter der Sparten Maler und Kupferstecher, Bäcker, Metzger, Schreiner, Friseure, Schneider, Schlosser und Sattler tatkräftig mit. In einem ersten Protokoll sind sie namentlich aufgeführt:

 

  • C. L. Becker, Maler und Kupferstecher
    Peter Chrysant, Obermeister der Bäcker-Innung
    Eduard Lenz, Obermeister der Metzger-Innung
    H. Piel, Obermeister der Schreiner-Innung
    D. Quester, Schriftführer der Friseur-Innung
    J.H. Senff, Obermeister der Schneider-Innung
    H. A. Schmitz, Schlossermeister
    Wilhelm Statthalter, Sattlermeister

 

Am 22. April des Jahres 1901 konnte Herkenrath 52 Bonner Bürgern seinen Plan erläutern. In dem bis heute erhaltenen Protokoll heißt es: "Man hatte sich versammelt, um die Errichtung einer Handwerkerbank als eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung zu beschließen. Das vorliegende Statut war schon durchberaten. Nach Verlesung wurde dasselbe mit dem zugefügten Zusatz und Abänderung einstimmig angenommen und unterschrieben."

Damit hatte die Geburtsstunde der "Handwerkerbank zu Bonn eGmbH", des Vorläuferinstituts der Volksbank Bonn Rhein-Sieg, geschlagen. Man wählte den in den Statuten festgeschriebenen Aufsichtsrat, dem neun Genossenschafts-Mitglieder angehörten. Herkenrath wurde zum Vorsitzenden berufen und blieb fast 20 Jahre an der Spitze der neuen Bank. Am 17. Mai 1901 erfolgte die Eintragung der Handwerkerbank zu Bonn eGmbH in das Genossenschaftsregister des Amtsgerichts Bonn.

Die Zusammensetzung des ersten Aufsichtrates ließ bereits erkennen, dass sich die Tätigkeit der Bank nicht nur auf das Handwerk beschränken sollte. So hatte man auch zwei Vertreter aus dem kaufmännischen Gewerbe mit einem Mandat im Aufsichtsrat betraut. Schon zwei Jahre später erfolgte die Umbenennung in "Volksbank in Bonn eGmbH". Das Kreditinstitut strebte damit eine Öffnung zum gewerblichen Mittelstand und für breitere Bevölkerungskreise an.

Die ersten Jahrzehnte 1901 – 1920

Das erste Jahrzehnt 1901–1910

Die ersten, recht bescheidenen Geschäftsräume der Bank wurden im Haus des Katholischen Gesellenvereins in der Kölnstraße 17-19 eingerichtet. Den ersten Vorstand der neuen Bank bildeten der Lehrer a. D. Wilhelm Schreiner und der Kaufmann Carl Hitzel.

Die Geschäftsguthaben beliefen sich im ersten Jahr auf 19 080 Mark, die Rücklagen auf 327 Mark und der Umsatz auf 324 595 Mark. 1910 wurden bereits 116 953 Mark als Geschäftsguthaben, 12 744 Mark als Rücklagen und 5 832734 Mark als Umsatz ausgewiesen. 

Das Jahr 1907 ging in die Geschichte ein als Krisenjahr der deutschen Wirtschaft. Auch Bonn blieb davon nicht verschont. Das bedeutete für viele mittlere und kleinere Betriebe das Aus.

Absatzrückgang und Arbeitslosigkeit prägten diesen Zeitabschnitt. Bei der Stadt registrierte man fast 10 000 Arbeitslose

Neues Zuhause und Erster Weltkrieg - 1911–1920

Die ersten Geschäftsräume der Bank in der Kölnstraße platzten bald aus allen Nähten. Der Raumnot begegnete man 1911 mit dem Erwerb von zwei nebeneinander liegenden Häusern in der Münsterstraße (Nr. 9 und 11). Der Geschäftsbetrieb wurde zunächst in das Haus Nr. 11 verlagert.

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhinderte die geplante Ausdehnung auf das Nachbarhaus. Das Kriegsgeschehen stürzte auch in Bonn das Wirtschafts- und Sozialgefüge ins Chaos. 17 000 junge Bonner wurden zu den Waffen gerufen. Fehlende Arbeitskräfte und der Ausfall von Materiallieferungen hatten auf die Wirtschaft der Stadt katastrophale Auswirkungen. Bautätigkeit gab es nur dort, wo Projekte für Kriegsführung oder Versorgung von der Obrigkeit angeordnet wurden. So hinterließ der Strukturwandel in der Bonner Wirtschaft auch deutliche Spuren bei der Volksbank. Die günstige Entwicklung der Jahre 1910 bis 1915 erlitt in dem folgenden Zeitraum einen Einbruch.

Als der Erste Weltkrieg im November 1918 mit der Niederlage des Deutschen Reiches beendet wurde, hatte er auch über Bonn und die Region Trauer, Not und Elend gebracht. Schulen, Krankenhäuser, Hotels und Privatquartiere wurden von den Besatzungstruppen beschlagnahmt.

Am 28. Juni 1919 wurde der Versailler Vertrag zwischen Deutschland und 26 Feindmächten unterzeichnet. Er leitete die Zerstückelung des Deutschen Reiches ein. Die Summe der Reparationen setzten die Kriegsgewinner auf 132 Milliarden Mark fest. Der Kaufmann Johann Bernartz leitete als Vorstandsmitglied in dieser schweren Zeit die Geschicke der Bank.

 

1920 bis Kriegsende "Dunkle Zeiten"

1920 bis Kriegsende "Dunkle Zeiten"

Inflation und wieder Krieg prägen die Entwicklung der Volksbank in den folgenden Jahren. Krisen und Katastrophen reißen auch Bonn in den Strudel der Perspektivlosigkeit. Die Inflation erreicht 1923 ihren Höhepunkt. Die letzte vor Stabilisierung der Währung im November 1923 aufgestellte Bilanz der Volksbank schließt mit einem Betrag von 30 Billiarden 551 Billionen Mark. In Ziffern: 30 551 000 000 000 000 Mark. "Zwölf Nullen als Symbol eines monetären Elends", kommentiert damals der Wirtschaftspublizist Volkmar Muthesius.

Von den 22 Jahren Aufbau der Volksbank haben vier Jahre Krieg und fünf Jahre Inflation drastische Spuren hinterlassen. Die Rentenmark löst die Papiermark im Verhältnis "eine Rentenmark gleich eine Billion Papiermark" ab. Ende August 1924 tritt an die Stelle der Rentenmark die an das Gold gebundene Reichsmark. Die Eröffnungsbilanz mit 74 634 Reichsmark ergibt ein erschütterndes Bild. Nur ein mutiger Neubeginn kann die Volksbank wieder auf Kurs bringen. Die auf der Wirtschaft lastenden Reparationsverpflichtungen stehen einem weiteren Aufstieg der Volksbank Bonn im Wege. Eine durch kurzfristig aufgenommene Auslandskredite bewirkte allgemeine Scheinblüte der Wirtschaft findet jähen Absturz. Der Zusammenbruch der New Yorker Börse im Jahre 1929 ist der Beginn der Weltwirtschaftskrise, die auch die Banken in ihren Strudel zieht.

Turbulenzen auch bei der Volksbank Bonn, dann aber ein leichter Aufschwung. Bis 1937 erhöhen sich die Spareinlagen auf über 348 000 RM. Ein Jahr später überschreiten sie schon die halbe Million. Erstmalig nach der Bankenkrise kann die Volksbank 1937 wieder eine Dividende in Höhe von vier Prozent ausschütten. Die Bilanzsumme steigt 1939 auf 1158 000 RM. Allerdings lässt die Zahl der Mitglieder noch zu wünschen übrig. Mit 266 im Jahr 1939 entspricht sie trotz der Zunahme der Einwohnerzahl Bonns nur dem Stand von 1924. Die auf eine weitere Aufwärtsentwicklung gesetzten Hoffnungen macht 1939 der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zunichte.

Kriegsende - Nachkriegszeit 1945 – 1950

Kriegsende - Neue Räumlichkeiten

Da die Räumlichkeiten in der Münsterstraße zu klein wurden, zog die Bank in das neu erworbene Domizil in der Bahnhofstraße 6. Die ersten Kriegsjahre schlagen sich in der Geschäftsentwicklung der Bank nieder. Dennoch können bis Ende 1943 noch neue Mitglieder gewonnen werden: Es gibt 318 Teilhaber.

Durch staatliche Verfügung wird zum 31. Mai 1944 die Bonner Zweigstelle der "Kölner Beamtenbank eGmbh" in die Volksbank Bonn eingegliedert. Die Zahl der Mitglieder klettert auf über 600. Auf der letzten Generalversammlung während des Krieges wird die Ausschüttung einer Dividende von fünf Prozent beschlossen.

Zum Schicksalstag für Bonn wird der 18. Oktober 1944. Bei schweren Luftangriffen fällt auch das Gebäude der Volksbank in Schutt und Asche. Wertvolle Dokumente, Unterlagen, Buchungsmaterial und Akten gehen für immer verloren.

 

Arbeit bei Kerzenlicht 

Eine Notunterkunft findet die Volksbank in den letzten Kriegsmonaten durch nachbarschaftliche Hilfsbereitschaft der Kreissparkasse. Zwei Briefe des damaligen Vorstandes an den "Rheinischen Genossenschaftsverband" in Köln erhellen die katastrophale Situation nach den Bombenangriffen.

Darin heißt es:

"Wir verfügten zeitweise nicht einmal über Sitz- bzw. Arbeitsgelegenheit für die Angestellten. Ab 24. Dezember 1944 bis Mitte Februar 1945 saßen wir wegen weiteren Schadens in den Kellerräumen der Kreissparkasse." Weiter liest man: "An diesem Tag waren die Arbeiten so gestört, dass nur mit Mühe und Not und bei Kerzenlicht Ein- und Auszahlungen vorgenommen werden konnten."

Die damaligen Daueralarme erlaubten oft nur eine kurze Arbeitszeit von drei bis vier Stunden am Tage. 1945 wurde das Büro außerhalb der Stadt verlegt.

 

Neuanfang - Nachkriegszeit 1945-1950

Nach der Kapitulation des Deutschen Reiches steht die Volksbank Bonn zum zweiten Mal innerhalb einer Generation vor einem Trümmerfeld. Der Wiederaufbau des zerstörten Bankgebäudes an der Bahnhofstraße scheitert an der Absicht der Stadt, dieses Terrain in einen vergrößerten Bahnhofsvorplatz einzubeziehen.

Also beginnt die neue Zukunft wieder mit einem Provisorium und Räumen im Erdgeschoss des Hauses Münsterstraße 12. Vorstand und Aufsichtsrat drängen mit der Suche nach einem für einen Neubau geeigneten Grundstück auf ein Ende der Notlösung. Nach einigen erfolglosen Bemühungen gelingt es schließlich doch, an der Gangolfstraße 7 das dortige Trümmergrundstück zu erwerben. Zuvor hat die Währungsreform vom 20. Juni 1948 einen neuen Einschnitt gebracht. Die Umstellung auf die Deutsche Mark schlägt am

21. Juni 1948 in der Bilanz der Volksbank Bonn mit insgesamt 496 000 DM zu Buche.

Für den Neubau an der Gangolfstraße, der nach Plänen von Architekt Toni Kleefisch entsteht, wird ein hohes Tempo vorgelegt. Bei der baulichen Konzeption geht es darum, die in Tuffstein und Basaltlava gehaltene Gebäudefront der Umgebung und dem Münster anzupassen. Am Bau beteiligen sich ausnahmslos Handwerker und Unternehmer mit Zugehörigkeit zur Volksbank. Das im Mai 1950 begonnene Projekt kann schon am 17. Dezember des gleichen Jahres seiner Bestimmung übergeben werden. Für die Volksbank Bonn beginnt eine neue Ära.

Vom Wirtschaftswunder bis zur Jahrtausendwende 1951 – 2001

Aufbruch in eine neue Zeit
- Vom Wirtschaftswunder bis zur Jahrtausendwende 1951 – 2001

 

Schon 1971 setzt sich bei den Genossenschaftsverbänden der Gedanke durch, mit Verschmelzungen und Fusionen dem wachsenden Druck der Mitbewerber und der stärker werdenden Konjunktur wirksam zu begegnen.

 

Die Bonner Region kann in dieser Hinsicht als besonnener und mutiger Impulsgeber betrachtet werden. Erster Schritt in diese Richtung ist 1971 die Verschmelzung mit der Raiffeisenbank Bonn-Süd, der früheren Vereinsbank Bonn, die 1893 unter der Bezeichnung "Kessenich-Dottendorfer Spar- und Darlehnskassenverein" als Genossenschaft mit unbeschränkter Haftpflicht eingetragen wurde. Ein Jahr später erfolgt die Übernahme der Raiffeisenbank Bonn-Rheindorf und im Frühjahr die Fusion mit der Raiffeisenbank Bonn-Endenich. Als Beitrag zur "Flurbereinigung" gibt man 1974 freiwillig die Niederlassung in Rheinbach auf. Im gleichen Jahr präsentiert sich die Volksbank Bonn mit zehn Vertretungen im Großraum der damaligen Bundeshauptstadt.

 

Auch auf der rechten Rheinseite sieht man den Zusammenschluss zu größeren Unternehmenseinheiten als wirtschaftliche Notwendigkeit und Mittel zur Zukunftssicherung.

 

Die Spar- und Kreditbank Küdinghoven und die Raiffeisenbank Stieldorf schließen sich 1979 zusammen und etablieren sich in Bonn als "VR Bank - Volks- und Raiffeisenbank". Fünf Jahre später (1984) fusioniert sie mit der Volksbank Bonn. 1993 kommt dann auch die Volksbank Beuel unter das Dach der Volksbank Bonn. 1995 kommen die Raiffeisenbank Königswinter und die Eitorfer Raiffeisenbank zur Volksbank, die mittlerweile eine starke Marktposition in der Region erlangt hat - zusammen bilden sie die "Volksbank Bonn Rhein-Sieg". 1996 kommt die Volksbank Hennef dazu, zwei Jahre später die Raiffeisenbank Vorgebirge in Bornheim-Roisdorf. 1999 entscheidet sich auch die Volksbank Siebengebirge mit Hauptsitz in Bad Honnef, sich der Volksbank Bonn Rhein-Sieg anzuschließen.

 

Mit dem bereits frühzeitig eingeschlagenen Weg, sich neben dem eigenen organischen Wachstum durch Fusionen und Verschmelzungen mit anderen Genossenschaftsbanken der Region langfristig eine solide Marktposition zu erwerben, hat die Volksbank Bonn Rhein-Sieg ihren Teil zu einer Neuordnung in der Region beigetragen.

 

Selbstverständlich hat die Bank auch den Strukturwandel, den die Region nach dem Umzug der Bundesregierung und der Ministerien nach Berlin erlebt hat, maßgeblich mitgeprägt. Ebenso kreativ und durchdacht wie der Wandel, den die Volksbank Bonn Rhein-Sieg im Laufe ihrer Unternehmensgeschichte vollzog, hat sich auch die Wirtschaftsregion nach dem Regierungsumzug verändert.

 

Im Jahr 2001 feierte die Volksbank Bonn Rhein-Sieg ihr 100-jähriges Bestehen mit einer Jubiläumsgala im Bonner MARITIM-Hotel. Die Vertreterversammlung fand im Jubiläumsjahr vor historischer Kulisse im Plenarsaal des Deutschen Bundestages statt. Ein weiterer Höhepunkt war der Bezug des neuen Volksbank-Hauses im Juni 2001. Die Firmenzentrale am Rand der Bonner Rheinaue war nach rund zweijähriger Bauzeit fertiggestellt worden.

 

Genossenschaften - Ein krisenfreies Geschäftsmodell 2002 – 2012

Genossenschaften - Ein krisenfreies Geschäftsmodell 2002 – 2012

Der Jahreswechsel 2002 brachte die Einführung der neuen europäischen Gemeinschaftswährung des EURO. Trotz seiner insgesamt positiven Wirkung erlebt die deutsche Wirtschaft in den Folgejahren eine Stagnation, die erst 2004 durch ein zaghaftes Wirtschaftswachstum abgelöst wurde. 

Die Exportstärke der deutschen Unternehmen und die Stabilität der mittelständischen Wirtschaft führten zu einem kräftigen Wirtschaftswachstum, das im Sommer 2008 jäh durch den Ausbruch der internationalen Finanzmarktkrise beendet wird. 2009 erlebt Deutschland die schwerste Rezession der Nachkriegszeit, ehe sie sich in 2010 aufgrund der Staatsverschuldungen einzelner Länder zu einer Staatenkrise auswächst. 

Die Volksbank Bonn Rhein-Sieg erweist sich in den Krisenzeiten als sicherer Hort. Aufgrund ihres regionalen Geschäftsmodells bewahrt sie sich das Vertrauen ihrer Kunden und kann viele neue dazugewinnen. Im Jahr 2008 verzeichnet das Haus ein Einlagen- wachstum von 22 Prozent. Ihre regionale Verantwortung beweist die Bank durch die im zweijährigen Rhythmus stattfindende Vergabe des Innovationspreises zur Förderung des Innovations- gedankens in der regionalen Wirtschaft. 

2009 ist das Jahr des Generationswechsels in der Vorstandsetage der Volksbank. Langjährige Vorstandsmitglieder wie Rudolf Müller, Ulrich Kunze oder Rainer Quabeck gingen in den wohlverdienten Ruhestand und machten den jungen Bankleitern Jürgen Pütz und Volker Klein Platz. Die beiden neuen Vorstandsmitglieder haben das Bankgeschäft von der Pike auf gelernt und ihren Karriereweg innerhalb des eigenen Hauses vom Auszubildenden bis zum Direktor gemacht. 

Die Solidität der genossenschaftlichen Banken erhält Ende 2011 aufgrund einer Höherstufung durch die Rating-Agentur Standard & Poor’s eine neutrale Bestätigung, wie insgesamt das Image der Bankengruppe als heimatnahe, den Mitgliedern verpflichtete und auf Partnerschaft gegründete Unternehmensform eine Renaissance erlebt. 

Das Jahr 2012, das von der UNO zum Internationalen Jahr der Genossenschaften ausgerufen wurde, nimmt die Volksbank Bonn Rhein-Sieg ihrerseits zum Anlass, besondere Aktivitäten rund um das Thema „Mitgliedschaft“ zu entwickeln.

Die Vertreterversammlung beschloss im Juni 2012, erstmalig in der über 110jährigen Geschichte der Volksbank einen eigenen Solidaritätsfonds einzurichten. Die Mitglieder verzichten auf einen kleinen Teil ihrer Dividende, um einen Hilfsfonds zu finanzieren. Damit tun sie genau das, was Genossenschaft ausmacht, nämlich nachhaltig solidarisch denken und handeln. Die Mittel des Fonds sollen zur Unterstützung von gemeinnützigen sozialen und kulturellen Initiativen und insbesondere für unverschuldet in Not geratene Mitglieder der Genossenschaft verwendet werden.

Am 21. Juli 2012 erlag der Vorsitzende des Aufsichtsrates Rüdiger van Dorp im Alter von 57 Jahren seiner schweren Krankheit. Van Dorp gehörte 21 Jahre dem Aufsichtsrat an und war 11 Jahre Vorsitzender des Gremiums. Seine Aufsichtsratskollegen ernannten ihn posthum zum Ehren-Vorsitzenden.

Der Aufsichtsrat erklärte in seinem Beschluss, dass sich Rüdiger van Dorp in seiner Amtszeit durch hohes persönliches Engagement und fachliches Können ausgezeichnet habe. Seinem Charisma und seiner Integrationsfähigkeit seien das gute Arbeitsklima und die reibungslose Einbindung der Arbeitnehmervertreter in das Gremium zu verdanken. Van Dorps Nachfolger im Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden wurde der Eitorfer Rechtsanwalt Helmut Dick.

Mit Wirkung vom 1. September 2012  hat der Aufsichtsrat den bisherigen Bereichsdirektor Stefan Lachnit  einstimmig als weiteres Mitglied des Vorstandes der Volksbank Bonn Rhein-Sieg bestellt.

Der Diplom-Bankbetriebswirt (ADG) steht seit 2009 als Bereichsdirektor, zuletzt verantwortlich für die Geschäftsbereich Privatkunden und Immobilien, in den Diensten der Volksbank.

Der gebürtige Kölner ist Genossenschaftsbänker durch und durch. Nach seiner Ausbildung bei der Volksbank Euskirchen war er als Kundenberater und Marktbereichsleiter bei verschiedenen Volksbanken tätig, ehe er acht Jahre lang bei der Deutschen Genossenschafts-Hypothekenbank in verschiedenen Leitungspositionen, zuletzt als Bereichsleiter für die Betreuung aller Volksbanken und Raiffeisenbanken, verantwortlich war. Anschließend sammelte er in einem genossenschaftlichen Beratungsunternehmen Erfahrungen in der Beratung von Banken und Sparkassen in Fragen der Strategieentwicklung.

Stefan Lachnit übernimmt im Vorstand die Ressort-Verantwortung für das Privatkunden- und Immobiliengeschäft, den Eigenhandel sowie die Vertriebssteuerung.

Der Aufsichtsrat beschloss zum gleichen Zeitpunkt, das Vorstandsmitglied Volker Klein im Hinblick auf dessen langjährige erfolgreiche Tätigkeit im Vorstand zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden zu ernennen.

Mitgliedschaft immer beliebter 2013 – ...

2013

Auf Initiative des Hotel- und Gaststättengewerbes in Bonn und der Region gründen 30 Unternehmen des Gastgewerbes sowie weiterer Branchen die Genossenschaft „Förderer-Beethoven-Festspielhaus-Bonn eG“. Sie wird die Marke „Beethoventaler“ vertreiben und will mit den Lizenzeinnahmen zur Finanzierung eines Baukredites für ein Beethoven-Festspielhauses beitragen.

Zu den Gründungsmitgliedern gehören auch die Hotel- und Gaststätteninnung Bonn und Rhein-Sieg-Kreis e.V., die Volksbank Bonn Rhein-Sieg sowie der Verein „Bürger für Beethoven“ mit 1.200 Mitgliedern.

2014

Zum Jahresbeginn konnten wir unser 60.000 Mitglied begrüßen. „Miss 60.000“ ist die zehnjährige Sophia Almendro Ibanez aus dem Beueler Stadtteil Vilich-Müldorf.

Am 3. September gründeten  24 Schülerinnen des Pützchener St. Adelheid-Gymnasiums im Volksbank-Haus ihre Schülerfirma als „eingetragene Schülerinnengenossenschaft“. Zeugen der Gründung waren  neben Volksbank-Chef Jürgen Pütz, Schulleiter Egbert Bachner und Beuels Bezirksbürgermeister Guido Déus.

Die 14 -15 jährigen Mädchen nehmen am Wirtschaftskurs der Jahrgangsstufen 8 und 9 teil. Auf Initiative ihres Lehrers Michael Germann erhalten die jungen Damen die Möglichkeit, das im Unterricht erworbene betriebswirtschaftliche Basiswissen in die Praxis umzusetzen und echte, eigene Erfahrungen zu sammeln. Der Firmenname „EconA“ steht für „Economy at Adelheid“. Firmenzweck sind Einkauf und Vertrieb von Starterpaketen für die neuen Fünftklässlerinnen(u.a. Füller, Stifte, Hefte, Geo-Dreieck)  sowie von Schulkleidung (T-Shirts und Pullover mit Schullogo).

Die Genossenschaftsidee ist der erste Beitrag, mit dem sich Deutschland bei der UNESCO um einen Eintrag in die internationale „Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ bewirbt. Das hat die in Berlin tagende Kultusministerkonferenz am 12. Dezember beschlossen. Gleichzeitig wurden die Gedanken und Ideale der beiden genossenschaftlichen Gründerväter Friedrich-Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch zusammen mit 26 anderen Traditionen, Bräuchen oder Fertigkeiten in das neu angelegte deutsche Verzeichnis immaterieller Kulturgüter aufgenommen. 

2015

Im Jahr 2015 kann die Volksbank besondere Wachstumserfolge verbuchen. Die gesamten Kundenanlagen übersteigen am 6. August erstmals die Grenze von 3 Milliarden Euro. Auch die Ausleihungen zeigen einen starken Wachstumstrend. Am Jahresende zeigt die Bilanz der Volksbank Ausleihungen in Höhe von 1,356 Milliarden Euro, was einer Steigerung von 9, 4 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert entspricht.

2016

Die Vertreterversammlung beschließt am 7. Juni mit großer Mehrheit (99 %) eine Fusion mit der Spar-und Darlehnskasse Aegidenberg auf der Basis der Jahresabschlüsse zum 31.12.2016.

wird fortgesetzt ...